Dieser Beitrag schließt an den Beitrag „Was ist Raumzeit?“ an und ist ein Auszug aus meinem Buch „Phänometrie. Ist Bewusstsein mathematisch greifbar?

Auch weitere Phänomene in der Physik lassen selbst der heute üblichen Interpretation zufolge keinen anderen Schluss zu als dass es noch eine weitere fundamentale Eigenschaft der Wirklichkeit geben muss, die unterscheidbar sowohl von der Materie als auch vom Ich sein muss – und gleichzeitig unauflöslich mit ihnen zusammengehört, sodass eine Unterscheidung im Sinne einer zweiwertigen Logik wiederum unmöglich ist:

  1. Superposition: Es müssen am Grunde der Materie, wenn man die Kopenhagener Deutung zugrunde legt, Wellen aus reiner Wahrscheinlichkeit miteinander interagieren, was eine rein logische Operation ist, denn unterhalb der Quanten gibt es laut derzeitigem Wissensstand keine kleineren Materieeinheiten, die Trägermedium dieser Wellen sein könnten. Es entscheidet also eine rein logische Operation darüber, wie sich das Materieteilchen verhält bzw. wo genau es sich dann zeigt. Und ebenso ist es reine Logik, die darüber entscheidet, dass ein Teilchenensemble sich in Abwesenheit einer Messung im Doppelspaltexperiment als Interferenzmuster zeigt und in Anwesenheit einer Messung eben als Ansammlung diskreter Teilchen. Oder man sagt, okay, dann ist es vor dem Kollaps eben doch eine Materiewelle. Es ist kein Problem, wenn diese miteinander interagieren. Nur dann müssen wir wieder akzeptieren, dass etwas gleichzeitig Welle und Teilchen sein kann. Als ich dieses Beispiel angeführt habe, wollte ich meine These untermauern, dass unsere Welt offenbar Unentscheidbarkeiten aufweist, die ontologischer Natur sind und wir akzeptieren müssen, dass am Grunde der Wirklichkeit die zweiwertige Logik zusammenbricht – also es fundamental unentscheidbar ist, ob ein Elementarteilchen Welle oder Teilchen ist, in Analogie dazu, dass es fundamental unentscheidbar ist, ob die Aussage „Es gibt nur ein Ich“ oder die Aussage „Es gibt viele verschiedene Ichs“ wahr ist. Dabei zielte ich eher darauf ab, dass man akzeptieren müsse, dass Materie in ihrer kleinstmöglichen Form (Materie-)Welle und (Materie-)Teilchen zugleich sein kann. Nun, nach einigen weiteren Überlegungen über den ontologischen Status der Logik ergibt sich eine interessante Wendung: Hier liegt zwar ganz offenbar eine fundamentale Unentscheidbarkeit im Sinne einer zweiwertigen Logik vor, nur nicht innerhalb der Materie, sondern zwischen zwei fundamentalontologischen Entitäten, völlig analog zu der fundamentalen Unentscheidbarkeit zur Frage der Identität oder Nichtidentität von Ich und Energie/Materie: Es scheint ebenso nicht im Sinne einer zweiwertigen Logik entscheidbar zu sein, ob Energie/Materie und Logik identisch oder voneinander verschieden sind. Am Grunde der Wirklichkeit sehen wir ein Verhalten von Materie, welches uns zeigt, dass Materie und Logik zwar zwei voneinander unterscheidbare Prinzipien sind, die aber offenbar nur zusammen gedacht werden können. Da wir festgestellt haben, dass auch Ich und Energie/Materie zwar unterscheidbar sind, jedoch intrinsisch zusammengehören, zeichnet sich nun eine Art fundamentalontologische Trinität ab: Ich, Energie/Materie und Logik.
  2. Quantenverschränkung: Wird bei einem von zwei miteinander verschränkten Elementarteilchen, deren Spin vor einer Messung der Heisenbergschen Unbestimmtheitsrelation unterliegt, der Spin durch eine Messung bestimmt, ist damit auch der Spin des anderen Teilchens instantan und simultan determiniert, unabhängig davon, welche Entfernung die Teilchen zueinander haben. Wird der Spin des einen Teilchens eines verschränkten Teilchenpaares auf der Erde als Down-Spin identifiziert, kann sich das andere Teilchen des verschränkten Paares in einer Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie befinden und legt sich dennoch im selben Moment als Up-Spin fest. Dies scheint zunächst dem Kernpostulat der Allgemeinen Relativitätstheorie zu widersprechen, ist doch die Lichtgeschwindigkeit die höchstmögliche Geschwindigkeit, mit der Information innerhalb der Raumzeit übertragen werden kann. Doch wird im Falle der Bestimmung des Spins keine Information im klassischen Sinne übertragen, was bedeuten würde, dass Information mit einem Trägermedium die Raumzeit durchqueren muss. Die kurz gefasste Erklärung ist jene, dass die beiden verschränkten Teilchen unter dem Aspekt ihres Spins eine Einheit bzw. ein Ganzes sind. Die beiden Teilchen bleiben unter dem Aspekt des Spins ein Ganzes, egal, wo sie sich im Einzelnen gerade befinden. Diese Eigenschaft oder Fähigkeit der Teilchen nennt man Nonlokalität. Da der Spin eines verschränkten „Teilchenganzen“ aus zwei Einzelteilchen niemals gleich sein kann, weil er zusammen-genommen immer Null ergeben muss, muss immer ein Teilchen Up-Spin und das andere Down-Spin haben. Daher ist im Moment des Messprozesses des einen Teilchens instantan klar, welchen Spin das andere Teilchen haben muss. Es muss also keine Information im klassischen Sinne übertragen bzw. keine Wirkung im klassischen Sinne verursacht werden. Auch dies birgt, konsequent zu Ende gedacht, wieder die ungeheuerliche Implikation, dass rein mathematische bzw. logische Vorgänge die Gesetze der Materie und der Raumzeit zu transzendieren vermögen bzw. ihr vorausgehen, da ja auch hier wieder der logische Vorgang erst zur Konstitution bzw. Definition der Materie führt und dies unabhängig von der raumzeitlichen Entfernung der durch sie definierten Teilchen zu tun vermag. Möglicherweise ist es die Raumzeit selbst, die Träger und Ursprung der nonlokalen Instantanwirkung ist. Sie selbst ist ja nicht an die Gesetze gebunden, die innerhalb von ihr gelten, wie ja schon die Ausführungen zur Expansion des Universums gezeigt haben.

Ich folgere aus den oben genannten Beispielen: Logik muss real sein und ihr muss eine onto-logische Wirksamkeit zugesprochen werden. Sie muss fundamental sein in dem Sinne, als dass sie eine nicht auf noch grundlegendere Entitäten reduzierbare Funktion in der Konstitution des Kosmos innehat. Sie ist nicht den Gesetzen der Raumzeit unterworfen, kann also nichts sein, was sich innerhalb der Raumzeit befindet, also energetischer/materieller Natur ist.

Eine tiefere Betrachtung der Logik und ihrer Verbindung zur Raumzeit möchte ich nach einem kleinen Einschub zum Determinismus anstellen, der an dieser Stelle aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion zum Phänomen der Nonlokalität geboten ist.